Schritte gehen
Karin Ruck
"Kleine Riesen"
Die besten Marketingrezepte für kleinere Unternehmen
1. Auflage 2007
192 Seiten, Hardcover, Format: 14,8 x 21,0 cm
ISBN 978-3-636-01471-9
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Experten-Interview:
Frühzeitig geplante Unternehmensnachfolge versus Verdrängung und Machtspielchen
Eine reibungslose Unternehmensnachfolge ist eine der größten und komplexesten Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmen - vor allem für Familienbetriebe. Zahlreiche Firmen scheitern aber, weil der aktive Generationenwechsel auf dem Chefsessel viel zu spät "eingeläutet" wird. Was passieren kann, wenn der Chef geht - sei es wegen Krankheit oder Tod -, demonstriert Ihnen dieses Worst-Case-Szenario anschaulich und beispielhaft.
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Chef wird während einer Geschäftsreise in einem Unfall verwickelt, seine Verletzungen sind so schwer, dass er kurze Zeit später stirbt, die Firma hat keinen Nachfolger und Erben, die gesamte Belegschaft trauert und erste unsichere, ängstliche Fragen tauchen auf, wie "Was passiert mit uns?", "Wer führt die Geschäfte weiter?", "Wer zahlt unsere Gehälter und sichert unsere Arbeitsplätze?" - Hierzu gibt die Expertin Claudia Nuber richtungweisende Antworten.
Claudia Nuber, weltweit zertifizierter Coach und Unternehmerin leitet seit 1998 erfolgreich die CN Consult® - "vom Denken zum Handeln" in Glonn bei München. Als Systemischer Coach setzt sich Frau Nuber mit unternehmerischer Strategieentwicklung und ihrer Umsetzung auseinander. Sie gilt als Expertin für eine gelungene Unternehmensnachfolge und als kraftvoll-sensibler Sparringspartner für Unternehmer. Ihre Bücher sind bereits in 3. Auflage erschienen. Nähere Informationen unter www.cnconsult.de und www.claudia-nuber.de
Obwohl bereits seit Jahren u. a. von sämtlichen Industrie- und Handelskammern betont wird, welche erhebliche strategische Bedeutung ein frühzeitig geplanter Generationenwechsel besitzt, passiert bei den Unternehmen nicht viel. Warum verschließen nach wie vor so viele Chefs die Augen?
Claudia Nuber: Für Unternehmer, die ihre Firma mit eigenen Händen aufgebaut und zum Erfolg geführt
haben, ist ihre Firma meistens Lebenselixier und Lebensinhalt. Die Firma ist ihr Baby, sie lieben ihren Job und so etwas gibt man
nicht einfach in andere, gar fremde, Hände. Das Thema Generationenwechsel ist hochemotional belastet. Schließlich bedeutet das,
die Aufmerksamkeit ganz bewusst auf einen neuen Lebensabschnitt zu lenken. Und damit tun sich die meisten Menschen einfach schwer.
Allerdings haben Unternehmer eine so starke Identifikation mit ihrem Lebenswerk, dass existenzielle Fragen auftauchen, wie zum
Beispiel: "Was mache ich dann?", "Wer bin ich dann noch?". Für die wenigsten Inhaber und Geschäftsführer sind
der Weg zum Golfplatz oder die mehrwöchige Kreuzfahrt mit der Gattin eine befriedigende Alternative zum aktiven Gestalten Ihres
Arbeitsumfelds. Der Verlust diverser Statussymbole wie Ehrenämter, Vorsitze, Stammtischrunden, repräsentativer Autos und Einladungen,
steht im Raum. Es ist immer schwer, etwas Vertrautes und vor allem Eigenes loszulassen. Der Übergang in einen anderen Lebensabschnitt
ist meist einschneidend, und wie das Wort andeutet, oft mit Schmerz verbunden, da man sich mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert
sieht. Veränderung ist ein Thema, das mit Angst behaftet ist, weiß man doch meistens nicht, was Einen wirklich erwartet. Das schöne
ist, dass Unternehmer selbst gestalten können und Veränderung nicht von heute auf morgen geschieht. Doch Unternehmer müssen - je
früher desto besser - die Nachfolge regeln. Ich sage es schon den Existenzgründern sehr direkt: In dem Moment, in dem Sie Unternehmer
sind, müssen Sie handeln wie ein Pharao, der sich ab dem Moment seiner Krönung mit seiner Grabstätte beschäftigen musste. Sie und das
Unternehmen müssen wissen, was passiert, wenn Ihnen etwas passiert! Zugegeben, es ist nicht einfach, sich mit Unangenehmem oder gar
dem eigenen Tod auseinander zu setzen. Doch als Unternehmer tragen Sie die Veantwortung für sich, Ihre Familie und Ihr Unternehmen.
Da Unternehmen nun einmal aus Menschen bestehen, heißt "Ihr Unternehmen" im Klartext Ihre Mitarbeiter, Ihre Kunden, Ihre
Bank. Aus diesem Gespräch resultiert dann meistens eine Packliste für den "Notfallkoffer".
Doch so schlimm muss es gar nicht kommen, denn es gibt auch noch ein Leben nach der Firma. Perspektiven für die Zeit »danach« zeigen
den Unternehmern, dass ihr Know-how, ihr Engagement auch weiterhin dringend gebraucht wird. Schließlich ist unsere Wirtschaft, unsere
Gesellschaft auf Business Angels, auf Unterstützung in vielfältiger Hinsicht (z. B. in Mentoring-Initiativen, kulturellen und
karitativen Einrichtungen) angewiesen und in meiner Erfahrung folgt auf die langjährige Pflicht in der Erstkarriere als Unternehmer
oft die Kür als freudiger Gestalter, denn jetzt muss sich der Unternehmer nichts mehr beweisen - er kann sich dem widmen, was er sich
früher einmal gewünscht hat. Und das meist ohne finanziellen oder zeitlichen Druck - welch ein Luxus! Verantwortungsvolle Unternehmer
dürfen die Augen nicht vor der Nachfolgeregelung verschließen, sondern müssen sich eigentlich gleich nach der Gründung mutig diesem
Thema annehmen - vielleicht mit einem möglichst ebenbürtigen Coach als Sparringspartner.
Wenn es keinen eingearbeiteten Nachfolger gibt, welche Sofortmaßnahmen sollten von den Firmenverantwortlichen (falls vorhanden) ergriffen werden? Vor allem im Hinblick darauf, dass überhastete Lösungen Vermögen und Arbeitsplätze gefährden?
Claudia Nuber: Tritt der Ernstfall, also ein Unfall oder eine schwere Erkrankung ein, dann muss
unverzüglich gehandelt werden. Krisenmanagement ist gefragt. Steuerberater, Rechtsanwalt, Beirat, müssen sofort einberufen werden.
Laufende Verträge mit Lieferanten und Kunden, sowie Gesellschafts- und eventuell Gesellschafterverträge müssen abgeklärt werden.
Wichtig ist, dass das operative Geschäft einigermaßen reibungslos weiterlaufen kann, Belegschaft und Kunden wissen, dass der Betrieb
nicht gefährdet ist.
Deshalb empfiehlt es sich, für solche Situationen einen »Notfallkoffer« gepackt zu haben. Im Allgemeinen befinden sich
folgende Dokumente darin:
Vollmachten (Handlungs- und Vorsorgevollmacht, privat und beruflich, Patientenverfügung, Bank- und Postvollmacht(en)
Testament (am besten ein notarielles Unternehmertestament)
Verträge (Gesellschafterverträge, Handelsregisterauszüge, Grundbuchauszüge, ggfs. Ehevertrag, Kreditverträge)
Versicherungspolicen (Lebensversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherung etc.)
Schlüssel/Zugangscodes (Zweitschlüssel zu Schreibtisch, Gebäude etc. und Passwörter, PINs/TANs, ggfs. Rezepturen)
Wichtige Unternehmensinformationen zum Beispiel in Kopie oder im Original:
- Status der aktuellen Projekte (z. B. Messen)
- Vertretungsplan mit persönlichen Daten der Vertreter
- Liste der Schlüsselkunden und Schlüssellieferanten
- Liste der bestehenden Bankverbindungen
- Vermögensaufstellung
- aktuelle Betriebswirtschaftliche Analyse des Steuerberaters
- Bilanzen der letzten drei Jahre
Der Inhalt des Notfallkoffers muss laufend aktuell gehalten werden.
Sind die "erste Hilfe-Aufgaben" erledigt, muss geklärt - und vor allem kommuniziert werden - wer im Notfall welche Aufgabe
übernimmt. Gerade in den ersten Tagen heißt es Ruhe bewahren und - trotz möglicher Aufregung - mit Bedacht zu agieren. Eine im Vorfeld
geregelte Aufgabenverteilung hilft hier Wunder.
Und was können die Firmenverantwortlichen des Weiteren tun, damit das Vertrauen der Kunden und Mitarbeiter nicht verloren geht?
Claudia Nuber: Es ist immer wichtig, vor allem aber gerade in Krisensituationen, Kompetenz und
Sicherheit nach Innen und Außen zu vermitteln. Die Mitarbeiter sollten in einer Betriebsversammlung über das Geschehene informiert
werden, wie es weitergehen kann, welche Konsequenzen dies für sie hat und wie man sie auf dem Laufenden halten wird. Dieses
Strategieszenario gehört ebenfalls in den Notfallkoffer, denn nur so kann der Unternehmer sicherstellen, dass die Dinge in seiner
unfreiwilligen Abwesenheit genau so laufen, wie er es möchte und für sinnvoll hält.
Im Todesfall sind neben der Mitarbeiterinformation eventuell Pressemitteilungen zu verfassen. Für die Kommunikation mit der Presse
holt man sich am besten einen Spezialisten, damit unnötige Fehler und Negativkonsequenzen vermieden werden. Traueranzeigen etc.
erledigt das Bestattungsinstitut. Kunden, Lieferanten und weitere Geschäftspartner informiert die Interimsgeschäftsführung sobald,
wenn die Nachfolge geklärt ist. Krisenkommunikation ist ein heikles Geschäft und muss sensibel gehandhabt werden, damit der Schuss
nicht nach hinten losgeht.
Die schwere Erkrankung des Unternehmers ist ein weiteres Szenario, das obigem weitestgehend ähnelt. Allerdings sollten die Kunden
und Geschäftspartner schnellstens mit einem persönlichen Anschreiben darüber informiert werden, dass während der Krankheit des
Firmeninhabers die Geschäfte bis auf weiteres durch Herrn/Frau XY in seinem Sinne geführt werden und sich Kunden und Geschäftspartner
auch weiterhin auf die reibungslose, bekannt zuverlässige Zusammenarbeit verlassen können.
Wichtig ist, den verständlichen Sorgen und Ängsten der Mitarbeiter so zu begegnen, dass die Gerüchteküche nicht überbrodelt und die
Motivation erhalten bleibt. Ich empfehle, den Mitarbeitern so offen und ehrlich wie möglich zu sagen, was Sache ist und - ganz
wichtig - wie und mit wem es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht. Die Konkurrenz schläft nicht, gute Mitarbeiter werden
gerne abgeworben und jeder Mensch wünscht sich Sicherheit.
Wie sollte sich Ihrer Meinung nach die Firma in dieser Extremsituation nach außen hin präsentieren, um Negativschlagzeilen in den Medien zu vermeiden?
Claudia Nuber: Für die Presse gilt: "Bad news is good news" - auf Deutsch: schlechte Neuigkeiten verkaufen sich gut. Wichtig ist, in der hektischen Zeit eine Atmosphäre der Ruhe, Stabilität und vor allem Vertrauen bei den Geschäftspartnern und Mitarbeitern gleichermaßen herzustellen. Und damit sich weder die Schlagzeilen überschlagen, noch Gerüchte ins Kraut schießen, muss die Presse mit den notwendigen Informationen umfassend versorgt werden. Der Öffentlichkeitsarbeit gilt ein besonderer Augenmerk und die Kommunikation mit der Presse gehört in professionelle Hände, denn nicht immer wird das gedruckt, was man glaubt, gesagt zu haben. Ich empfehle, einen presseerfahrenen Krisenkommunikator hereinzuholen, der die Chancen, die in jeder Krise stecken, zum Wohle des Unternehmens zu nutzen weiß.
Kommen wir jetzt zur Schlüsselrolle der Seniorchefs, die zweifellos das Unternehmen lange Jahre geprägt haben. Und ihnen fällt es sicherlich nicht leicht, ihr Lebenswerk (und damit ihre Macht) in andere Hände zu geben. Was raten Sie den Chefs, damit rechtzeitig die Weichen für die Zukunft gestellt werden können, um oben genannte Krisensituation zu entschärfen?
Claudia Nuber: Wie vorher gesagt, gehört die Nachfolgeplanung zum Rüstzeug des Existenzgründers.
Wir sind nun einmal weder unendlich noch unverletzbar. Das ist nun einmal so und deshalb gehört ein gepackter "Notfallkoffer"
zur Krisen-Präventions-Grundausstattung. Dank des Basel II Ratings durch die Banken bei der Kreditvergabe und die Unternehmensprüfung
bei der Kapitalbeschaffung durch Beteiligungsfirmen, werden Unternehmer zu einer Nachfolgeplanung quasi gezwungen. Es ist schade, dass
es so viel Druck braucht, sollte es doch im Interesse jedes Unternehmers sein, das eigene Lebenswerk funktionsfähig zu erhalten. Jedem
meiner Unternehmer-Kunden empfehle ich, sich mindestens einmal im Jahr aus dem Tagesgeschäft auszuklinken, um in Ruhe und fern der
Firma darüber nachzudenken, was er will, was zu tun ist und wie. Wenn er wieder in die Firma kommt, sollte er eine Strategie entwickelt
haben, was er wie, warum, mit wem womit und bis wann getan haben wird. Ich nenne das die "schmerzfreie 6-W-Strategie", die
dann planvoll und konsequent umgesetzt werden muss, damit sich etwas bewegt. Kritische Themen, wie der Ausfall des Unternehmers,
müssen im Vorfeld ihres tatsächlichen Auftretens zumindest klar durchdacht worden sein, um die unvermeidbare Krise zu entschärfen,
wenn sie denn da ist.
Der Alltag eines Unternehmers sieht meistens so aus: Den ganzen Tag arbeitet er an tausenderlei Sachen gleichzeitig, Delegation ist
selten seine Stärke, sein Leben ist die Firma und die Frau kümmert sich um das Familiäre und Gesellschaftliche. Die meisten
Unternehmer meinen, es bliebe keine Zeit, über ein "Was wäre wenn ...?" nachzudenken. Ein Trugschluss, dem leider viele
Unternehmer unterliegen, denn sie reagieren viel zu spät, sprichwörtlich wenn es eine Minute vor zwölf ist. Damit Krisensituationen
entschärft werden und im optimalen Fall gar nicht erst eintreten, dafür braucht es Unternehmer, die weit blickend und mutig sind. Die
Ängste vor dem Loslassen, vor der Zerstörung des Lebenswerkes, dem Verlust der Macht sind absolut berechtigt und wollen wertschätzend
behandelt sein, anstatt verdrängt und negiert zu werden. Diese Wertschätzung gelingt mit einer klaren Strategie und eben der Frage:
"Wann gehen Sie mit sich in Klausur?" Ich rate jedem Unternehmer, sich mindestens einmal im Jahr ins stille Kämmerlein
zurückzuziehen und über ein Worst-Case-Szenario für sich und sein Unternehmen nachzudenken. Zur Abklärung dieser Gedankenspiele
sollte er sich eine neutrale, außenstehende Person zur Seite stellen. Also den Advocatus diaboli, neudeutsch Sparringspartner, der
ehrlich und ungeschminkt sein Feedback gibt und Fragen stellt, die sich weder Familienangehörige noch Mitarbeiter, Steuerberater,
Anwalt oder sonstige Vertraute zutrauen würden.
Und welches Punkte-Programm sollten Ihrer Meinung alle Chefs, die einen Generationenwechsel planen, auf alle Fälle beachten?
Claudia Nuber: Warum ist ein Unternehmer ein Unternehmer? Weil er gerne etwas unternimmt, weil er
gerne gestaltet, seine Freiheit liebt und unabhängig sein, will. Was kommt zuhause an? Ächz-stöhn, der Tag war furchtbar, die
Mitarbeiter entsetzlich, die Kunden sind die größten Feinde, Familie findet nicht statt, die Kinder sind sogenannte Wohlstandswaisen
etc. Und da wundert sich der Unternehmer, wenn die Abkömmlinge kein Interesse an der Firma haben? Die Familie erlebt meist nur die
Last, nicht aber die Lust des Unternehmer-Daseins. Deshalb rate ich als begeisterte Unternehmerin jedem Unternehmer, auch seiner
Familie zu zeigen, wie viel Spaß es macht, im Unternehmen und darüber hinaus selbstständig zu gestalten. Wenn der Unternehmer mit
Lust rangeht, wenn er sichtbar seine Energie in dieses Thema steckt, dann hat das Wirkung auf seine Mitarbeiter, seine Familie und
nicht zuletzt natürlich auch auf ihn selbst. Seine Kinder erleben die Freude - und werden sich vielleicht eher an die Nachfolge wagen.
In meiner Praxis hat sich ein Acht-Punkte-Programm bewährt:
1. Den Notfallkoffer packen und verwahren.
Das ist das A und O. Er sollte stets aktuell sein und dazu muss er regelmäßig überprüft sein. Der Notfallkoffer sollte im Safe aufbewahrt werden und eine Kopie beim Anwalt oder Notar "abgestellt" sein. Wichtig ist, dass im Fall der Fälle ein schneller Zugriff erfolgen kann.
2. Mindestens einmal im Jahr zu einem Strategietag zurückziehen.
Unternehmer nehmen sich leider keine oder sehr selten Zeit für ihre eigene Entwicklung. Ein kurzsichtiges Verhalten, denn der Erfolg eines kleinen Unternehmens ist stark an die Person des Unternehmers gekoppelt und steht und fällt mit seinen Fähigkeiten. Regelmäßige Strategiesitzungen in Sachen Marketing, Vertrieb etc. sind für Unternehmen überlebenswichtig. Warum also nicht auch für Unternehmer, die ihr Lebenswerk sicher in jüngere Hände übergeben wollen?
3. Einen guten Beirat aufbauen.
Suchen Sie Ihren Beirat sehr sorgfältig aus. Besetzen Sie ihn mindestens mit einem der jünger, einem der älter und einem der genauso alt ist wie Sie. Die Beiratsmitglieder sind Außenstehende, etwa ein Anwalt, ein Steuerberater, vielleicht auch mit einem früheren Konkurrenten. Vielleicht auch mit einem Banker. In Zeiten von Basel II und des notwendigen Ratings wäre das ein cleverer Schachzug. Doch Vorsicht: Die Bank im Beirat zu haben, ist ein zweischneidiges Schwert. Schließlich muss und soll im Beirat auch Tacheles geredet werden. Ob da die eigene Bank immer ein objektiver Ratgeber ist, ist fraglich. Vertreter einer anderen Bank wäre eine mögliche Variante. Bestellen Sie bitte keine Freunde in den Beirat. Eine professionelle Distanz und der neutrale Blick von außen fehlen Freunden zwangsläufig. Auch hier gilt es, Freundschaft und Geschäft sorgfältig zu trennen.
4. »Basel II« ernst nehmen und nutzen.
Die Banken prüfen verstärkt das Engagement der Unternehmer in Sachen »Unternehmensnachfolge«. Wer hier frühzeitig und offensiv die Weichen stellt, der hat beim Rating der Banken weniger zu befürchten. Eine geregelte Nachfolge ist bei der Beschaffung von Mezzaninekapital und Beteiligungen von großem Vorteil!
5. Den geeigneten Nachfolger suchen.
Überlegen Sie beizeiten, wer als Interimsvertretung oder zur Nachfolge geeignet sein könnte. Bedenken Sie dabei: »Es braucht maximale Energie, um ein Flugzeug in die Luft zu bekommen - also ein Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Um das Flugzeug jedoch in der Luft und auf Kurs zu halten, braucht es eine sichere Hand. Also muss Ihr Nachfolger zwangsläufig anders sein, um Ihr Lebenswerk in die Zukunft zu führen«: Welche Eigenschaften braucht Ihr Nachfolger? Lassen Sie ihn »Schaulaufen«, beobachten Sie ihn, lassen Sie ihn Probearbeiten. Fordern und fördern Sie ihn. Wie bewährt er sich im Tagesgeschäft? Wie belastungsfähig ist er in möglichen Krisenzeiten? Den geeigneten Nachfolger zu finden dauert oft Jahre. Nehmen Sie sich diese Zeit und fangen Sie frühzeitig damit an - so wie bei Pharao's.
6. Lebe jeden Tag, als wäre es Dein Letzter!
Wir wissen genau, wann wir geboren sind - Ort, Jahr, Tag, vielleicht auch Stunde und Minute. Wir wissen auch genau, dass wir sterben müssen. Bisher hat Niemand das Leben je überlebt. Was wir nicht wissen, ist Ort, Jahr, Tag, Stunde und Minute. Also gibt's nur eines, die Dinge so vorzubereiten, als würde dieses Ereignis jederzeit eintreten können. In der Philosophie nennt man es "leben im Hier und Jetzt". Leben Sie jede Stunde sechzig Minuten lang. Stellen Sie sicher, dass Sie jede Entscheidung oder Handlung im besten Wissen das Ihnen in dem Moment zur Verfügung steht, treffen. Dann werfen Krisen Sie weniger leicht aus der Bahn und Sie sind länger handlungsfähig.
7. In die Zukunft blicken.
Die Zukunft ist ein Land, das niemand gehört hat einer meiner Lehrer gesagt. Die Vergangenheit ist vorbei und lässt sich nicht ändern. Wir können höchstens daraus lernen und es jetzt besser machen. Es braucht Mut, um das Risiko einzugehen, heute eine Entscheidung zu treffen, die sich in der Zukunft als falsch erweisen kann. Unternehmerschaft ist ein Wagnis. Und Wagnisse geht man dann ein, wenn die Chancen, Gewinne oder Möglichkeiten das Risiko übertreffen. Deshalb rate ich immer wieder zu strategischer Planung, guter Vorbereitung und Einbeziehung des Unerwarteten - denn das Leben findet statt, während wir damit beschäftigt sind andere Pläne zu machen.
8. Relaxing!
Der Pfeil braucht eine elastische Sehne, um ins Ziel zu treffen. Deshalb sollten Sie auf einen dynamischen Wechsel zwischen Anstrengung und Entspannung achten. Wenn Sie der Stress einholt oder gar eine Krise droht: Holen Sie tief Luft, treten Sie innerlich einen Schritt zurück, betrachten Sie das Geschehen so, als säßen Sie in einem Hubschrauber und blickten unbeteiligt herab. Achten Sie auf Ihren Atem, entspannen Sie Ihre Schultern, Arme und Gesäß. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken, auf das was Sie schon immer einmal machen wollten, wovon Sie als Kind geträumt haben. Vielleicht ist jetzt die Chance, all das wirklich zu tun? Der Generationswechsel ist kein Grund zur Panik. Im Gegenteil, vielmehr die Chance das Lebenswerk aus etwas mehr Distanz genießen zu können!
Gibt es eine Grundregel, die in Krisensituationen immer wieder beherzigt werden sollte?
Claudia Nuber: Ich empfehle: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht!". Das hört sich, gerade im Bezug auf Krisen, zunächst etwas verwegen an, doch in der Praxis hat sich das bewährt. In der Krise zusammenzustehen, im Sinne eines augenzwinkernden »Jungs, das schaffen wir doch!!«, das entspannt, das schafft Vertrauen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das sonst nie erreicht worden wäre. Natürlich müssen die notwendigen Besprechungen und Mitarbeiterversammlungen einberufen werden, klar, dass die Informationen fließen müssen und keine Panikstimmung aufkommen sollte, doch das alles darf mit Emotionen und einer gesunden, wohl dosierten Prise Humor geschehen. Die Negativbeispiele vieler Unternehmen, die in Krisenzeiten in Deckung gehen, wo Unternehmer einfach abtauchen, zeigen doch wie wertvoll das Sichtbar bleiben ist. Gerade in schwierigen Zeiten.
erschienen im Buch Kleine Riesen von Karin Ruck.
© 2007 REDLINE WIRTSCHAFT, REDLINE GmbH, Heidelberg. www.redline-wirtschaft.de. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
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